Soll ein Pferd eine Karriere als Zuchtstute beginnen, kann man die Chancen, dass sie tragend wird schon vor der Decksaison erhöhen.
Neben der rektalen Untersuchung von Eierstöcken und Gebärmutter (durch den Mastdarm) sollte auch eine bakteriologische Untersuchung mittels Tupferprobe stattfinden, mit der krankmachende und übertragbare Keime in der Gebärmutter nachgewiesen werden können. Diese Untersuchung ist vor allem angezeigt, wenn Stuten nicht normal gefohlt haben. Allerdings ist es sehr wichtig zu wissen dass auch Stuten, die noch nie gedeckt wurden, solche krankmachenden Keime in der Gebärmutter haben können und somit ebenfalls einer bakteriologischen Untersuchung mittels Tupfer unterzogen werden sollten.
Keime, die während des Deckaktes oder der letzten Rosse in die Gebärmutter gelangt sind, können dort lange überleben und sich vermehren. Erfolgt nun ein Deckakt, können die Krankheitserreger sowohl den Hengst infizieren, der die Keime wiederum an andere Stuten weitergibt, als auch eine große Gefahr für das zu erwartende Fohlen werden. Somit schließt eine optimale Paarungshygiene eine Tupferprobe, die von der Genitalschleimhaut des Hengstes genommen wird, ebenfalls ein.
Genitale Erkrankungen beim Pferd sind nicht immer durch eine äußerliche Untersuchung zu erkennen. Eine Tupferprobe kann somit auch zur Diagnose von klinischen Erkrankungen dienen. Dies ist angezeigt, wenn eine Stute Probleme bei der Geburt hatte, die Nachgeburt nicht rechtzeitig abgegangen ist, oder Anzeichen einer Genitalerkrankung sichtbar werden. Das kann unter anderem Schleimausfluss außerhalb der Rosse, Blutungen, geschwollene Genitalien, Fressunlust oder Fieber sein. Auch Stuten, die nach einer Bedeckung nicht tragend werden, sollten mittels einer Tupferprobe untersucht werden. Häufig kann eine Infektion so erkannt und behandelt werden.
Pferde, die im vergangenen Jahr ein gesundes Fohlen zur Welt gebracht haben, müssen nicht unbedingt „getupfert“ werden, wie man die Keimprobeentnahme aus der Gebärmutter nennt, da die Wahrscheinlichkeit, dass sie Krankheitserreger in der Gebärmutter haben sehr gering ist. Es ist aber wichtig, dass diese Stuten nicht mit Wallachen in einer gemischten Herde gestanden haben – denn auch manche Wallache „decken“ noch ihre Stuten und können Keime so verbreiten. Das ist auch der Grund dafür, weshalb eine getupferte Stute nicht mehr in eine gemischte Herde zurück gestellt werden sollte.
Der günstigste Zeitpunkt, eine Tupferprobe zu entnehmen, liegt vier Wochen vor dem geplanten Umzug in die Deckherde. Das Ergebnis liegt nach etwa einer Woche vor. Wenn die Stute dann behandlungsbedürftig ist, bleibt hierfür genügend viel Zeit, denn anschließend muss der Behandlungserfolg wieder mit einer Tupferprobe dokumentiert werden.
Sind Stuten und Deckhengst getupfert und die bakteriologische Unbedenklichkeit bescheinigt, haben wir damit vorbeugend optimale hygienische Deckbedingungen geschaffen.
Autorin: Tierärztin Dr. Kathrin Höner
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